Maskenpflicht in Zügen: eine Geschichte aus dem Alltag

Seit dem 27. April 2020 gilt in Deutschland Maskenpflicht in Zügen, Bussen und Geschäften. Die Bundesregierung bezeichnet die Bedeckung für Mund und Nase im Kampf gegen die vermeintliche Corona-Pandemie inzwischen sogar als „Alltagsmaske“. Während die Weltgesundheitsorganisation WHO keinen Sinn in einer Mundschutzpflicht im Alltag sieht und unsachgemäß verwendete Masken der Gesundheit eher schaden als nutzen, scheint ein Großteil der Bevölkerung die Verordnung von Bund und Ländern sehr ernst zu nehmen.

Menschen, die sich in öffentlichen Verkehrsmitteln in Berlin der Maskenpflicht verweigern, lassen sich an einer Hand abzählen. Manche tragen ebenfalls Mundschutz, während sie allein Rad fahren oder spazieren gehen. Am 8. Mai 2020, dem 75-jährigen Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus, spielt sich in einem Regionalzug in der Hauptstadt eine Szene mit faschistoiden Tendenzen ab.

Maskenpflicht in Zügen sehr ernst genommen

Mit meinem Drahtesel sitze ich in einem Fahrrad-Wagen, um mich herum lauter Maskierte, in deren Augen ich nackte Angst zu erkennen vermag. Auch eine Mutter hat ihrem Sohn eine Maske aufgebürdet und weist ihn zurecht, von anderen Fahrgästen Abstand zu halten. Mittlerweile ist das nur noch schwer möglich; die Züge der Deutschen Bahn werden wieder sichtbar voller.

Am Bahnhof Berlin-Gesundbrunnen betritt ein Radfahrer ohne Mundschutz das Abteil. Als er neben einer Frau der Generation 60+ Platz nehmen will, faucht sie ihn an: „Nein, da setzen Sie sich jetzt nicht hin! Halten Sie Abstand!“

„Ja, und ziehen Sie sich gefälligst eine Maske auf!“, trötet die Mutter des Sohnes in das gleiche Horn.

Der Mann lässt verunsichert seinen Blick schweifen und antwortet: „Sofort. Sie gehören ja zur Risikogruppe.“

„Eben! Da müssen wir jetzt alle durch“, meint die ältere Frau, der ich nur in Gedanken eine Antwort gebe: „Sie müssen gar nichts! Menschen müssen essen, schlafen und scheißen.“

Während ich die Szene still beobachte, regt sich in mir Mitgefühl mit denjenigen, die sich als brave Befehlsempfänger gebärden. Ebenso mit dem Mann, der sich wie ein gescholtener Hund der Maskenpflicht in Zügen unterwirft. Derweil bleibe ich vor jeglichen Attacken gefeit, als wäre ich unsichtbar …

Mitgefühl mit Verängstigten

Bis zu einem gewissen Grad verstehe ich die Aggression der älteren Dame. Vielleicht ist sie schwer vorerkrankt wie eines meiner Familienmitglieder in dem gleichen Alter. Vermutlich haben aber auch die regierungstreuen Massenmedien wie ARD, ZDF und der Spiegel zu ihrem Verhalten beigetragen.

Die systematische, gegen den Pressekodex verstoßende Panikmache drischt seit Wochen täglich auf die Bevölkerung ein. Wer mit seiner Meinung gegen den Strom schwimmt, wird als Aluhut-Träger, Nazi, Verschwörungstheoretiker, Reichsbürger, Corona-Leugner oder Schwurbler tituliert. Es erfordert Mut, diese Bezeichnungen in Kauf zu nehmen, weil Menschen soziale Wesen sind und dazugehören wollen. Wenn man bereits vor der Coronakrise gelernt hat, die Rolle des schwarzen Schafes zu spielen, mag Ungehorsam zum Wohle der Demokratie leichter fallen.

Maskenpflicht beim Einkaufen, Foto: Anrita1705 / Pixabay

Ganz legaler Ungehorsam

Apropos Ungehorsam: Beim Einkaufen zelebriere ich die Maskenpflicht mit maßloser Übertreibung und Vermummung. Anfangs verkleidete ich mich als eine Art Zorro mit Sonnenbrille, rotem Tuch vor dem Gesicht und Melone auf dem Kopf. Letztere habe ich nach einigen Tagen gegen einen Paillettenhut mit Federschmuck und dann gegen silberne Alien-Antennen ausgetauscht. Manche bringe ich mit meinen Outfits zum Lachen, andere zeigen mir in ihren Augen Entsetzen.

Im Supermarkt gibt mir ein Kassierer zu verstehen, wie sinnfrei er die Maskenpflicht in Zügen, Bussen und Geschäften finde. Er sei froh, bei seiner Arbeit hinter der Plexiglasscheibe auf Mundschutz verzichten zu dürfen: „Mir wird dahinter ganz schummerig!“

Schließlich erzählt er mir belustigt von einem Kunden, der mit Entenmaske in den Laden gekommen sei. Als ich ein paar Tage später in neuer Montur auftauche, erkennt er mich sofort wieder und fragt mich grinsend: „Na, hast du dir was Neues ausgedacht?“

Ja, im Ausdenken von Neuem bin ich mindestens genauso kreativ wie die Bundesregierung. Der Unterschied ist jedoch, dass ich Menschen Mut machen und sie zum freien Denken anregen möchte. (as)

2 Gedanken zu „Maskenpflicht in Zügen: eine Geschichte aus dem Alltag“

  1. „schwer vorerkrankt“, das hört sich immer so an als wären das ausschließlich Personen die an der Kippe zum Tod balancieren.
    Dabei zählen zu den Risikogruppen schon Millionen von Asthmatikern in Deutschland. Wer Krebs hatte, evt ein Spenderorgan, oder an MS leidet – gleich noch ein paar Mio.
    Und wahrscheinlich die größte Gruppe sind die die von ihrer Krankheit gar nichts wissen. Bluthochdruck ist nicht gut bei Corona – #Volkskrankheit. Wer vielleicht Probleme am Herz hat bekommt mit Corona sicher noch größere Probleme.

    Antworten
    • Ich wollte es mit dieser Formulierung ein bisschen auf die Spitze treiben. Abgesehen davon gibt es viele gefährliche Viren, die Menschen mit Vorerkrankungen schaden können. Nicht erst seit Covid-19 bzw. SARS-CoV-2!

      Antworten

Schreibe einen Kommentar