Innerer Coach versus innerer Kritiker: Welcher Stimme glaubst du?

In jedem Menschen wohnt ein innerer Coach und ein innerer Kritiker. Der innere Coach ist die ermutigende Stimme, die alles positiv sieht und Krisen als Chance zur Weiterentwicklung betrachtet. Währenddessen wirkt der innere Kritiker wie eine Bremse. Er hasst Veränderungen im Leben und wirft mit Sätzen wie „Das schaffst du ja doch nicht“ oder „Dafür bist du zu blöd“ nur so um sich. Er stänkert und blockiert, weil er ein Verfechter des vermeintlich Guten ist: Der innere Kritiker möchte uns vor Dummheiten, falschen Entscheidungen und Gefahren schützen.

Innerer Coach dank stärkender Glaubenssätze

Ob Dein innerer Coach oder dein innerer Kritiker mehr Macht über Dein Handeln hat, hängt erstens von den Bezugspersonen Deiner Kindheit ab. Zweitens von den Schlüssen, die Du im Erwachsenenalter aus Deiner Erziehung ziehst. Beide Stimmen werden von Mama, Papa, Oma, Opa, Onkel oder Tante programmiert. Wenn Deine Eltern, Großeltern und andere Verwandten die geborenen Optimisten sind bzw. waren, wandelst Du wahrscheinlich auf der Sonnenseite des Lebens. Die wohlwollende Stimme in Deinem Innern treibt Dich stetig an: „Yeah, du schaffst es!“

In Deutschland, wo Jammern und Schwarzmalerei vor allem in älteren Generationen die Mentalität prägen, ist es nicht ganz selbstverständlich, einen selbstbewussten inneren Coach in sich zu haben. Zur Erziehungstaktik meiner Großeltern gehörte beispielsweise das tägliche Verbreiten von Angst – in Zeiten von Corona wären sie damit wohl hervorragende „Journalisten“ geworden. Allerdings meinten es Oma und Opa nur gut. Sie wollten, dass ich ein folgsames Mitglied der Gesellschaft werde. Obwohl ich trotz ihrer Erziehungsmethoden überall aneckte, waren sie mit ihrer Programmierung des inneren Kritikers sehr erfolgreich.

Sätze wie „Das kann ich nicht“, „Das ist zu gefährlich“ oder „Dafür bin ich nicht intelligent genug“ schwirrten mit der allgemeinen Angst durch meinen Kopf. Irgendwann habe ich die Viren im System erkannt und an meine Küchentür ein Schild mit folgender Aufschrift geklebt:

Der innere Kritiker lügt! Er wurde von meinen Eltern, Oma und Opa programmiert und gibt deren Meinungen wieder. Ich bin aber ganz anderer Meinung.

Selbstzweifel, Foto: EliasSch / Pixabay

Lass Coach und Kritiker miteinander diskutieren

Dank der täglichen Konfrontation mit dem Schild ist der Kritiker leiser geworden und oft gar nicht mehr hörbar. Nur in Momenten weichenstellender Entscheidungen meldet er sich in voller Lautstärke zurück. Neulich lieferten sich mein innerer Coach und mein innerer Kritiker eine heftige Diskussion, die ich schriftlich dokumentiert habe.

Der Grund: Ich stehe vor der Wahl, in ein kostspieliges Coaching-Programm zu investieren oder weiter in meinem eigenen Saft zu schmoren. Nach der Empfehlung einer vertrauenswürdigen Person aus meinem Bekanntenkreis und zwei Vorgesprächen mit den Coaches bin ich überzeugt, dass ich von dem Programm profitieren werde. Der innere Kritiker wettert dagegen:

„Halte dein Geld zusammen und lass dich ja nicht abzocken! Du schaffst es ja doch nicht und schießt das schöne Geld in den Wind!“

Da ich eine Verfechterin der Demokratie bin, lasse ich ihn reden und gebe anschließend dem inneren Coach das Wort. Er rät mir:

„Investiere in dich und deine Zukunft. Bring dich und deine Fähigkeiten zur Blüte! Investiere in dein Mindset und dein Business. Ohne Investitionen keine Einnahmen. Du schaffst es mit Unterstützung positiver Menschen. Dich erwartet eine starke Community. Hier hast du gute Chancen, Kontakte für dein Netzwerk zu knüpfen. Vertraue dir und anderen. Das Geld kommt zu dir zurück!“

Von wem stammt die Kritik wirklich?

Als nächstes wiege ich die Argumente gegeneinander auf und stelle fest, dass mein innerer Coach bessere auf Lager hat. Fazit: Ich investiere in das Coaching-Programm und fühle mich bisher wunderbar darin aufgehoben. Nichtsdestotrotz analysiere ich die Argumentation des inneren Kritikers und nenne ihn schließlich Opa.

Mein Großvater hortete Zeit seines Lebens Geld. Er investierte sehr selten und verwehrte sich selbst viele Freuden. In Frieden mit ihm akzeptiere ich das, weil es offenbar sein Weg war. Meiner ist ein anderer. Während ich ihn beschreite, danke ich meinem Opa, mir einen achtsamen Umgang mit Geld beigebracht zu haben. (as)

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