Schwedischer Sonderweg: Beobachtungen einer Deutschen im Exil

Schwedischer Sonderweg – so wird Schwedens Umgang mit Corona in der deutschen Presse häufig bezeichnet … Und gleichzeitig verteufelt! Fünfeinhalb Monate reise ich schon auf diesem „Sonderweg“ durch mein Leben. Allmählich ist es Zeit, dass ich meine persönliche Bilanz ziehe und euch von meinen Erfahrungen seit meiner Flucht aus Merkel-Deutschland berichte.

In der zweiten Jahreshälfte von 2020 sah ich für meine Zukunft nur noch drei Optionen: das Land verlassen, bleiben und leiden oder Selbstmord begehen. Die letzten beiden waren blanke Theorien. Also kündigte ich meine Berliner Wohnung, packte meine Sachen und ging kurz vor Silvester an Bord einer Fähre nach Malmö.

Im Terminal in Travemünde bekam ich kurz Panik, denn auf meinem Handy war zufällig ein Artikel aus dem Spiegel aufgeploppt. Der schwedische Sonderweg sei gescheitert und die Regierung in Stockholm wolle „Zwangsmaßnahmen“ im „vom Virus gebeutelten Land“ einführen, hieß es in dem Beitrag. Mediale Hetze gegen Schweden war zu dem Zeitpunkt nichts mehr wirklich Neues, so dass ich mich schnell beruhigte.

Sonderweg ohne Lockdown und Maskenpflicht

Seit meiner Ankunft in Malmö am 30. Dezember 2020 sind echte „Zwangsmaßnahmen“ tatsächlich ausgeblieben. Schweden hat sowohl auf einen Lockdown als auch auf eine Maskenpflicht und übermäßige Polizeipräsenz in den Städten verzichtet. Die gastronomischen Betriebe empfingen weiter Gäste, mussten allerdings bis zum 31. Mai schon um 20:30 Uhr schließen. Kulturelle Einrichtungen wie Museen und Galerien waren im Winter dicht. Anfang April fingen sie langsam an, ihre Pforten zu öffnen.

Seit meiner Schiffsreise über die Ostsee ist mein Gesicht rund um die Uhr nackt geblieben. Nur als im Januar und Februar Minustemperaturen herrschten, zog ich mir draußen wegen der klirrenden Kälte einen Schal über Mund und Nase. In jenen Tagen ging ich nach langer Zeit zum ersten Mal wieder shoppen. Zwar begrenzen die Geschäfte bis heute die Anzahl der Kunden in ihren Räumlichkeiten, doch diese Maßnahme hat mich nie tangiert. Nur zwei- oder dreimal wartete ich fünf Minuten, bis mir eine Drogerie Einlass gewährte.

Zusammenkünfte in Schweden

Obwohl die schwedische Regierung bis Ende Mai Zusammenkünfte von mehr als acht Personen verboten hatte, fanden weiter vereinzelte Gruppenveranstaltungen statt. Schon im Winter schloss ich mich Wandergruppen an. Oft tauchten ungefähr 40 Leute auf, so dass der Veranstalter einfach fünf Achtergruppen bildete und diese zeitversetzt starten ließ.

Im Mindfulness Home in Malmö besuchte ich mehrmals pro Woche ein Sprachcafé, um mit anderen Ausländern Schwedisch zu lernen. Wir trafen uns dort auch zum Meditieren und um gemeinsam Yoga zu machen. Somit fiel es mir leicht, mich mit meinem neuen Alltag in Schweden anzufreunden und wieder ein Leben in „Normalität“ zu führen. Dafür werde ich dem skandinavischen Land bestimmt noch sehr lange dankbar sein.

Gruppenwanderung in Südschweden, Video: Annika Senger

Perfider schwedischer Sonderweg?

Es ist jedoch nicht alles Gold, was glänzt. Dieses Sprichwort trifft auch auf den schwedischen Sonderweg zu. Zwar sind die Corona-Regeln im Vergleich zu Deutschland mild, doch die Agenda ist die gleiche wie in allen EU-Staaten. Überall im öffentlichen Raum fordern Schilder die Menschen auf, anderthalb bis zwei Meter Abstand voneinander zu halten. Während diese Sticker auf deutschem Boden kräftig rot kreischen, setzt Schweden auf eine „nettere“ Farbgestaltung. Häufig sind sie auf die Farben in der Umgebung abgestimmt und enthalten Herzsymbole.

Derweil ertönen in Stockholms U-Bahnhöfen in regelmäßigen Zeitintervallen schwedische und englische Ansagen. Man solle die öffentlichen Verkehrsmittel nur für notwendige Reisen benutzen, eine Maske tragen und ständig Abstand halten. Im März befolgten rund 30 Prozent der Stockholmer die Empfehlung, Mund und Nase zu verhüllen. Mittlerweile sind die Maskenträger eine verschwindende Minderheit.

Corona-Aufkleber in einer Shopping-Mall, Foto: Annika Senger

Impfkampagne mit schwedischen Prominenten

Dafür buhlt nun eine Impfkampagne mit Gesichtern schwedischer Promis um Aufmerksamkeit. An Plakatwänden, in Bahnhöfen, Bussen und Bahnen rufen diese mir unbekannten Gestalten die Bevölkerung auf, die „Ärmel hochzukrempeln“. Es ist die wohl aggressivste Werbekampagne, die ich jemals miterlebt habe. Auch die schwedischen Tageszeitungen schreiben pro Impfung und die Propaganda scheint zu wirken.

Bis auf die Leiterin des oben genannten Mindfulness Homes ist mir auf meinem schwedischen Sonderweg noch kein Mensch begegnet, der die Corona-Politik kritisch hinterfragt. In der Öffentlichkeit stehen weder Ärzte wie Professor Dr. Sucharit Bhakdi und Dr. Wolfgang Wodarg noch Rechtsanwälte wie Dr. Reiner Fuellmich. Anscheinend gibt es in Schweden keine Persönlichkeiten, die es wagen, öffentliche Diskussionen über das Vorgehen der Regierenden zu entfachen. Welchen Grund hätten sie auch, da ja das Leben scheinbar „normal“ weitergeht?

Impfplakat in der Stockholmer U-Bahn, Foto: Annika Senger

Maßnahmen- und Impfbefürworter

Wenn ich in Stockholmer Meetup-Gruppen versuche, neue Menschen kennenzulernen, ist Corona oft das Gesprächsthema Nummer eins. Wie gleichgeschaltete Roboter plappern die anderen Teilnehmer nach, was die Journaille schreibt. Neulich bei einem Treffen in einem Restaurant brüsteten sie sich voller Stolz mit ihren Impfungen. Als ich Anfang Mai bei einer Wanderung den PCR-Test infrage stellte, wurde ich belächelt und als Verschwörungstheoretikerin bezeichnet.

Die Konsequenz: Seit ich auf dem schwedischen Sonderweg unterwegs bin, habe ich keine Gleichgesinnten getroffen und die Kontakte zu meinen alten Freunden aufrechterhalten. Außerdem hatte ich viel Zeit, mich zu regenerieren und in Verbindung mit der wunderschönen Natur zu gehen. Vor allem in der Region Stockholm genieße ich es, in die Landschaft voller Felsen, Wälder und Seen einzutauchen. Fernab der Propaganda fühle ich mich als Teil des Ganzen. Ich rette Schnecken vor den Füßen der Ausflügler und achte auf jeden kleinen Käfer. Rehe kreuzen meinen Weg, ohne dass sie sofort die Flucht vor mir ergreifen.

Nationalpark Tyresta bei Stockholm, Foto: Annika Senger

Baldiger Abschied von Schweden

Der kommende Abschied von Stockholm wäre wahrscheinlich mit heißen Tränen verbunden, wenn ich nur eine einzige wertvolle Freundschaft geknüpft hätte. Wenn ich länger als sechs Monate bliebe, liefe ich Gefahr, in Schweden steuerpflichtig zu werden. Als Konsequenz wäre ich gezwungen, eine Identitätsnummer („personnummer“) zu beantragen. Diese Nummer macht die Bewohner des Landes zu gläsernen Bürgern, denn sie muss bei verschiedenen Belangen angegeben werden: beispielsweise bei Banken, Telefonanbietern und Versicherungen.

Dies bleibt mir erspart, weil ich auf meinem schwedischen Sonderweg den Lifestyle einer digitalen Nomadin gewählt habe. Mein Wohnsitz in Deutschland ist längst abgemeldet und mein Geschäft nach Kanada verlagert. Folglich ziehe ich weiter von Land zu Land und empfinde schon jetzt eine tiefe Dankbarkeit für jede neue Erfahrung, die noch kommt. (as)

8 Gedanken zu „Schwedischer Sonderweg: Beobachtungen einer Deutschen im Exil“

  1. Hallo Annika!
    Habe mit Interesse und Entsetzen deinen Artikel über Schweden gelesen. Entsetzen, weil mir meine Illusionen geplatzt sind und die Hoffnung, dass es einen Ausweg gibt, dahinschwindet. Ich würde sehr gerne mal mit dir sprechen, können wir mal telefonieren?
    Wäre schön.
    Liebe grüße,
    Sabine

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    • Hallo Sabine,
      natürlich gibt es einen Ausweg und der heißt Eigenverantwortung! Ich lebe hier in Schweden ein völlig „normales“, wenn auch zurzeit etwas isoliertes Leben. Freiheiten wie z.B. Ausflüge, Museen- oder Restaurantbesuche nehme ich mir heraus. Alles andere beobachte ich und ziehe daraus meine Schlüsse. Die Menschen werden hier auch nicht unter Druck gesetzt, sich impfen zu lassen. Die Propaganda reicht anscheinend schon, dass sie es freiwillig tun. Ich dagegen habe freiwillig entschieden, dass das Gift von meinem Körper fern bleibt.
      Liebe Grüße,
      Annika

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  2. Hallo
    Ich war selbst ein knappes jahr in schweden und habe vor einem knappen jahr wieder kontakt mit einem guten bekannten per aus vaenorsborg in schweden aufgenommen.
    Zuletzt habe ich ganz gezielte fragen gestellt hinsichtlich arbeitsmoeglichkeiten, g5 und aktuellen massnahmen in schweden.
    Die schnelle antwort war:
    In schweden ist es nicht besser nur anders.
    Das umschreibt sicher ganz gut die situation fuer auslaender die laengere zeit in schweden verbringen wollen.
    Ich habe schweden fuer uns erst einmal zurueckgestellt
    Und bin immer noch guter dinge dass die drahtzieher fuer diese schmierenkomoedie zur verantwortung gezogen werden.
    Und bin dafuer dankbar dass ich mit familie aus unserem dornroschen schlaf entrissen wurden

    VIEL GLUECK UND VIEL ERFOLG

    Andreas + bouchra u. Kinder

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    • Hallo Andreas, ja, das stimmt. Schweden hängt genauso in dem Schmierentheater drin wie Deutschland. Der Unterschied ist, dass man ein ganz normales Leben führen kann, wenn man die Propaganda ausblendet und akzeptiert, dass man wenig Gleichgesinnte findet. Auch euch viel Glück und schöne Grüße, Annika

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  3. Danke Annika für Deine Sicht der Dinge.

    Ich kann die negative Sichtweise aber nicht nachvollziehen. Wir sind nun schon 10 Wochen in Schweden und sehr dankbar dass wir hier ein normales Leben leben dürfen. Wir waren auch in den vergangenen Jahren einige Male hier zu Gast und immer hochzufrieden. Nun sind wir wieder hier weil uns das Regime unseren Kultur und Eventbetrieb ohne mit der Wimper zu zucken zerstört hat….

    Die Abstands-Schilder sind nur Empfehlungen und die meisten Schweden halten sich daran gar nicht, bzw. halten sowieso immer schon höflich Abstand. In Deutschland wurde und wird hingegen massivst mit Gewalt und Strafen gedroht, eingeschüchtert und Kinder in Masken genötigt, Schulen und Kindergärten , Spielplätze etc. geschlossen, getestet und und und. Es war nicht mehr auszuhalten und wir sind sehr froh hier in Schweden sein zu dürfen.Die Massnahemn sind nicht nur mild sondern im Vergleich zu MerkelDeutschland quasi nicht vorhanden. Es wird sich in Zukunft zeigen in welchen Ländern die Menschen unter den Nachwirkungen insbesondere psychisch zu leiden haben. Ich gehe davon aus dass dies in Schweden deutlich schwächer ausfallen wird.
    Ich kann jedem nur empfehlen sich sein eigenes Bild zu machen und sich nicht die Hoffnung nehmen zu lassen!

    Ich sehe den schwedischen Weg als Mittelweg, was für das Land sehr typisch ist und als LAGOM bezeichnet wird. Um in der internationalen Staatengemeinschaft nicht noch mehr als Sonderling zu gelten musste die Regierung offensichtlich sich etwas „anpassen“. Diese Anpassung wurde jedoch so vorgenommen dass die Bürger nicht über gebühr sozial geschädigt werden. Annika du vergisst dass ein sehr grosser internationaler Druck gegen den schwedischen Sonderweg aufgebaut wurde. Alleine Schweden als Hochrisikogebiet einzustufen war eine deutliche wirtschaftliche Sanktion aus Merkeldeutschland. Es gibt niemals nur schwarz und nur weiss.

    Ich hoffe dass du dein Glück in einem anderen Land findest, beachte aber dass man sich immer auch selbst mitnimmt. Manchmal müssen wir auch in uns selbst Neuland betreten um im Aussen eine Veränderung zu bewegen. viele Grüsse, Bernd

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    • Hallo Bernd,
      offenbar interpretierst du zu viel Negatives in meinen Beitrag! Ich habe objektiv die Situation dargestellt, dazu gehören auch die von dir beschriebenen Vorzüge, die ich in Schweden genieße und für die ich sehr dankbar bin. Trotzdem wäre es falsch zu behaupten, dass es hier keine Impfpropaganda und dergleichen gäbe. Mir sind leider viele Schweden und Menschen anderer Nationalitäten begegnet, die die Spritze mit Kusshand begrüßen bzw. schon empfangen haben.
      Viele Grüße,
      Annika

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      • Teile Deine Ansicht, die meisten Schweden schlafen tief und fest. Eine deutsch sprechende Lehrerin, die ich vergangenen Herbst dort traf, fragte mich entsetzt, nachdem ich ihr über die Hintergründe der Plandemie erzählt hatte, weshalb das denn nicht im Fernsehen gebracht würde. Andere Schweden hatten mir über zweigeteilte Familien, ähnlich, wie in Deutschland, berichtet. In Schweden ist in der Vergangenheit mehrfach über eine Impfpflicht abgestimmt worden. Zum Glück bisher ni ht durchgekommen, da die Schweden bei der Impfung gegen Schweinegrippe eine hohe Anzahl von Menschen mit Narkolepsi hatten. Erstaunlich die Impf werbung! Wie verhält es sich aktuell in Kanada? Kannst Du problemlos einreisen? Und die Aufenthaltsdauer war bei unserem Besuch in 2005 auf 3 Monate begrenzt? Leider erinnere ich mich an die Läger für Ausländer und Impfunwillige Coronaleugner, welche im Kanadischen Parlament von der Opposition angesprochen wurde, jedoch nicht debattiert werden durfte.

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        • Hallo Anna, ich bin nicht in Kanada. Wie ich geschrieben habe, geht es nur um meinen Geschäftssitz. Aus steuerlichen Gründen, da ich nun ohne festen Wohnsitz bin. Im Moment lebe ich noch in Schweden. Viele Grüße, Annika

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